Über die Künstlerin


Michael Kröger, Avenida 17 – Ort der schönen Künste, Tazacorte, La Palma

Rede für Sylvia Catharina Hess

Im Kontrast zu unseren letzten beiden Künstlern präsentieren wir heute eine Malerin, die uns einen ganz anderen Stil präsentiert. Dort wo Peter Hermans und Acenk Guerrra die einzelnen Farben scharf getrennt haben, treibt Sylvia Catharina Hess diese ineinander oder legt sie übereinander. Und es gibt trotzdem Gemeinsamkeiten. Alle drei eint, dass sie Landschaften und Sinneseindrücke aufnehmen, ins Unterbewusste verschieben und dann aus der Erinnerung und der Phantasie heraus ihre Bilder malen. Dies allerdings auf höchst unterschiedliche Weise:

Sylvia spürt beim Malen solche, wie sie es nennt, inneren Bildwelten auf, setzt sie in Seelenlandschaften um, die dann in ihren Bildern verarbeitet werden. Damit entstehen neue Bilderwelten, die real nichts mehr mit dem ursprünglichen Bild zu tun haben. Somit sind die entstandenen Bilder keine Abbilder einer tatsächlichen Landschaft oder eines realen Eindrucks, sondern eine Reise in ihre innere Welt, die Raum für eigene Phantasien lässt. Solche Bilder finden wir im Lichtschacht und sie repräsentieren eine frühere Schaffensperiode.

Aktuell haben wir eine veränderte und weiterentwickelte Sylvia Hess zu bewundern: Aus dem relativ neuen Leben auf La Palma und der Begegnung mit den lebensfrohen Menschen und ihren zahlreichen und unterschiedlichen Festen ist ein Bilderzyklus entstanden bzw. noch in Arbeit, der sich „Mein kanarisches Liederbuch“ nennt. Sie beginnt mit Fotografien oder Skizzen, die während oder kurz nach diesbezüglichen Fiestas entstehen. Die vor Ort gemachten Skizzen oder auch Fotografien werden in Zeichnungen transferiert, die in einem dritten Schritt zu einem gemalten Bild verarbeitet werden. Beispielhaft haben wir diese Zeichnungen an der rechten Wand dokumentiert, die nach dem letzten Mandelblütenfest in Puntagorda entstanden sind. Ihrer ursprünglichen Arbeitsweise folgend, entstehen auch an dieser Stelle keine Abbilder der Realität und damit keine Portraitmalerei. Die Personen verändern sich im Malprozess, reale und erfundene Figuren entstehen oder verschwinden und am Ende ergibt sich ein Bild, das ein Stück weit nur noch die Empfindung der Malerin beim Originalgeschehen wiedergibt, aber nichts mehr mit dem Originalbild zu tun hat. Sylvia sieht an dieser Stelle eine Gefahr, ins Volkstümliche, Naive oder sogar ins Kitschige abzugleiten. Ich denke hier an so manches Bild anderer Künstler vom weißen Karneval in Sta. Cruz. Sie vermeidet daher eine Zentralperspektive, real existierende Gebäudeelemente oder Strandmobiliar und verfremdet zusätzlich die Figuren mit collagenhaften Elementen. Eine dritte Gruppe Bilder haben wir hier rechts angeordnet, es sind Akte, die ebenfalls erst kürzlich entstanden sind.

Soweit die Einführung in diese Ausstellung, viel Spaß beim Betrachten, Genießen und der Auseinandersetzung mit den Bildern und deren Malerin. Große Kunst in kleinem Raum, eine weitere schöne Ausstellung hier bei uns in der Avenida 17 und ein weiterer kleiner Schritt, Tazacorte zur Kunsthauptstadt dieser Insel zu machen.

21. Januar 2016


La Palma Künstler: Die Malerin Sylvia Catharina Hess

„Der Mensch steht im Mittelpunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung“

Sylvia Catharina Hess schreibt Erzählungen, Kurzgeschichten und Gedichte, die oftmals von sagen-haften Begebenheiten handeln. Auch ihre Bilder, Skulpturen und Installationen wirken poetisch, hie und da sogar märchenhaft, sind aber nicht ohne kritischen Biss. Die Autorin und Malerin lebt rund die Hälfte des Jahres in La Punta auf der Kanareninsel La Palma... (weiterlesen)


Ingrid Jureit

Bildwerdungen

Das Werk der Künstlerin Sylvia Catharina Hess wird ganz wesentlich bestimmt durch Überlagerungen von ganz subjektiven Gedanken und Überlegungen zur Literatur. Diese Prägung ist ohne Frage dann umso schwieriger, wenn nicht nur Landschaft sondern auch der Mensch zur Darstellung kommt.

Eine solche Arbeitsweise stellt die Aussage und Wirklichkeit oft auf eine harte Probe, das gemalte Bild muss vom Thema auf das Wesentliche konzentriert werden, um es über die Farbe und Komposition als zusätzlichen wichtigen Ausdrucksträger im Bild einer völlig neuen Bedeutung zuzuführen. Dazu kommt, dass die üblichen Sehgewohnheiten dabei infrage gestellt werden, das Auge hat keinen Halt mehr in der Perspektive.

Keine leichte Aufgabe, wenn sich diese Begebenheiten teilweise im Weg stehen, weil die Künstlerin sich selbst - mit ihren eigenen in den Bildraum gestellten „Lebenssituationen“ -immer durch den Spiegel einer gedanklichen Korrektur zu den literarischen Vorlagen sieht. Ein Zurück zum Ursprung von Gedanken erfordert für die Künstlerin eine ungeheure Konsequenz, die nicht einfach nur auf vorgeprägte Zufälligkeiten setzt. Jede Änderung und sei sie noch so klein, ist oft ein folgenschwerer Schritt, der nicht so locker entsteht, wie es für den Betrachter den Anschein hat. Innerhalb der eigenen inneren Zerrissenheit ein nicht immer bewusst gesteuerter Vorgang, aber durchaus ein Zustand, der die Künstlerin immer wieder antreibt.

Sehen wir uns das Bild „Vierzehn“ an. Hier wird ein Lebensbogen gespannt vom kleinen Kind über die Heranwachsende zur ausgereiften Frau. Dabei trägt die Vierzehnjährige eine Augenbinde als Symbol für ihre gedankliche Blindheit in diesem Alter. Eine wichtige Metapher, die auch genau überlegt und gesteuert sein will, ebenso wie der Bogen, der sich im Bild nach rechts spannt und somit eine aussagekräftige Bedeutung erlangt.

In vielfältiger Kleinarbeit ist die Künstlerin immer wieder bereit Farben und Kompositionen zu verändern, die Bedeutung der Flächenbearbeitung sowie auch Spannungen in der Bildaufteilung zu erproben, um dadurch ausdrucksstärkere Überlegungen freizusetzen.

Alles an diesen Vorgängen ist unbequem, nichts ist einfach oder nur leicht, denn Kunst kann sich nicht mit der einfachen reinen Abbildung begnügen, sie braucht stetige Weiterentwicklung, immer wieder neue Überlegungen zum Bildraum, der Komposition, der Farbe und natürlich auch zum Inhalt einer ausgereiften Thematik.

Von unermüdlichem Ringen und Fleiß getrieben hat auf diese Art die Künstlerin Sylvia Catharina Hess innerhalb kürzester Zeit ihrer Arbeit eine eigene Prägung verliehen und dabei sehr viel bewegt.p>

Ingrid Jureit, Hofheim am Taunus Mai 2013


Auszug aus der Rede von Uwe Gilberg-Rindsfüßer zur Eröffnung der Ausstellung „Künstler sehen den Mittelrhein – 10 Jahre Weltkulturerbe Mittelrhein“ am 22. März 2012

[...] Die letzte Gruppe, die ich nennen will, ist – ich gestehe es freimütig – meine Lieblingsgruppe. Denn darin finden sich die Künstler, die sich mit dem Mittelrhein, seinem Mythos, ja der Geschichte der Rheinromantik insgesamt zunächst intellektuell auseinandergesetzt und diese Auseinandersetzung dann künstlerisch „umgesetzt“ haben. In einem solchen Prozess – dies weiß ich, obwohl selbst kein bildender Künstler, aus langjähriger Erfahrung – da sprüht der Geist Funken, da lacht das Herz des Künstlers und des Betrachters ebenso. Witz und Ironie sind da nicht selten, aber auch Nachdenklichkeit, Geheimnis und Rätselhaftigkeit tun sich beim Betrachten auf. Wer sich – nur als Beispiel – das Werk „Ach, Lore…“ von Sylvia Catharina Hess gleich hier vorne rechts von mir ansieht, und dabei an Brentanos Gedicht von der Lore Lay denkt, der kann ob der gut 200-jährigen Geschichte dieser tragischen Frauenfigur bis hin zu Helmut Dietls Film „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ ins anregende Grübeln verfallen. Es macht stolz, dass dieses Bild eigens für diese Ausstellung geschaffen wurde.[...]


Ausstellung: Im Kreishaus werden neben Respektlosem und Rätselhaftem sogar Rheinkiesel präsentiert

Von unserem Redaktionsleiter Michael Stoll

Auszug:

[..] Bleiben wir noch bei der Malerei und in Bettendorf: „Ach, Lore“ nennt Sylvia Catharina Hess ihr auf den ersten Blick eher naives Bild, das aber bei genauerem Hinsehen Gesellschaftskritik pur ist:Das Mädchen mit dem Goldenen Kamm soll offenbar verurteilt oder verdammt werden, weil die lüsterne Begierde den Kirchenmann gepackt hat – die Loreley im Zeichen eines neuen Frauenbildes. [...]

aus: Rhein-Lahn-Zeitung, vom 12.04.2012


„Das gute Glück“ ist auf der Loreley zu finden

Ausstellung: Sylvia C. Hess zeigt gemeinsam mit sieben weiteren Künstlern Skulpturen und Installationen auf dem Kunst- und Literatur-Pfad

Von unserer Mitarbeiterin Carolina Küstermann

Loreley. Sylvia C. Hess leitet mit Petra Dutiné das Projekt Kunst- und Literatur-Pfad Loreley (KLP) und zeigt auf dem Rheinsteig zwischen St. Goarshausen und Bornich ihre Installation „Das gute Glück“. Die Künstlerinnen haben das Konzept im Jahr 2009 entwickelt und mithilfe des KULT-UR-INSTITUTs und des Kultursommers Rheinland-Pfalz sowie zahlreichen Sponsoren 2010 zum ersten Mal verwirklicht.

Sylvia C. Hess begeisterte sich bereits in der Schule für Kunst. Trotzdem studierte sie Germanistik und Politikwissenschaften und arbeitete 30 Jahre lang als Lehrerin und Methodentrainerin. Daneben blieb ihr die Kunst als Hobby. In ihrer Freizeit ließ sie sich von verschiedenen Künstlern ausbilden, bis sie sich schließlich 2007 entschloss, als freiberufliche Künstlerin tätig zu sein. Inspiration findet die 59-Jährige in literarischen Werken wie Shakespeares „Sommernachtstraum“. Ansonsten begeistern sie Farben und Licht, Landschaften oder Stimmungen. „Wenn ich eine Installation wie die am Kunst- und Literaturpfad Loreley erarbeite, lasse ich mich ganz auf den Platz ein, an dem sie später stehen soll.“ Sylvia C. Hess ergänzt: „Mein Ziel ist es eine Symbiose aus Naturraum und künstlerischer Aussage zu schaffen.“ Acht Monate arbeitete sie an ihrer Installation „Das gute Glück“. Es besteht aus 21 Teilen. Das Zentrum wird von einer 1,90 Meter hohen, blau bemalten Figur aus Stahlblech gebildet. Die Figur steht für das Individuum der Gegenwart und ist von dem Gedicht „Die blaue Blume“ von Joseph von Eichendorff inspiriert.

„Da wir häufig vor Ort sind, kommen wir immer wieder mit Spaziergängern ins Gespräch. Diese Gespräche sind ausgesprochen inspirierend und bestätigen in der Mehrzahl, dass wir mit dem KLP auf dem richtigen Weg sind“, sagt Sylvia C. Hess über ihr Projekt.

aus: Rhein-Lahn-Zeitung, vom 26.08.2011


Auszug aus der Laudatio zur Verleihung des 10. Nassauer Kulturpreises

„Kunst im freien Raum“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, normalerweise hält man eine Laudatio auf einen Preisträger. Ich möchte heute Abend jedoch gerne alle drei ausgezeichneten Werke und Preisträger würdigen, zumal sie auch relativ dicht in der Bewertung lagen. Außerdem möchte ich vorwiegend das jeweilige ausgezeichnete Werk, weniger die Person besprechen- und das ganz subjektiv. Das Werk beschreibt ja letztendlich den Künstler.

Nach dem Urteil der Jury habe ich mich mit viel Zeit kontemplativ mit den drei Werken auseinandergesetzt. Nach einer solchen Zeit schauender Versunkenheit erfolgt ein betrachtendes Erkennen, und damit ist einem das Kunstwerk auf einmal sehr nah und man nähert sich so dem Künstler -dem Macher- gleichermaßen an. Und es wird einem die Intention des Gestalters immer klarer- über die Wirkung des Werkes auf einen selbst.

[...]

Nun zu Silber, dem 2. Preis Zu der Installation „Traumpfad“ von Sylvia Catharina Hess

Frau Hess ist Zeichnerin, Malerin, arbeitet skulptural und schreibt, und sie schafft es, mit diesem Vermögen Installationen wie den „Traumpfad“ zu gestalten und dreidimensionale Räume zu erschließen.

Damit sich einem die Installation von Frau Hess umfassend erschließt, muss man sie durchschreiten, kreuz und quer gehen, die Texte lesen, stehen bleiben, die Augen auf Nah und Fern einstellen, sie sozusagen als Tele und Weitwinkel streifen lassen, und sich natürlich auf den Baumstumpf setzen und verharren, reflektieren, auf sich wirken lassen.

Den Einklang von den Texten der Gedichte mit den Stelen – den sich ergebenden Raum spüren, - verloren gehen.

Mit ihrer Installation hat Sylvia Catharina Hess Räume geschaffen, die unterschiedlichste Empfindungen auslösen, die reinziehen, die unter die Haut gehen. Man wird zur Reflexion animiert, wird entführt. Auch hier spielt das Umfeld - das Natürliche, das Gras, die Bäume, die Büsche, der Hang, das Licht- und Schattenspiel - eine unterstützende Rolle. So wirkt alles wie ein verzauberter Garten. Man wird Bestandteil, Fabelwesen haben sich um einen versammelt. Ihre unterschiedlichen Minen, Gesichter, Gestalten- sie beeinflussen. Man nimmt unwillkürlich Kontakt zu ihnen auf, den Wesen, Gnomen, Maskenmännern und Wächtern. Sie schauen mich an, sie sprechen zu mir über die Aphorismen und Gedichte. – Sie nehmen mich gefangen, machen mich befangen.

Dann lese ich „ Leben heißt ankommen und gehen.“ Als ich ging, war ich wie aufgewacht und seltsam berührt.

Danke, Sylvia, und herzlichen Glückwunsch zum 2. Preis.

[...]

Prof. Dieter Fröbisch 29. Oktober 2010


Vom Konkreten hin zum Abstrakten

Die Künstlerin Sylvia Catharina Hess stellt ihre Werke im Kulturhof aus

Landschaften, Organismen und Körper hat die Künstlerin Sylvia Catharina Hess auf der Leinwand verewigt. Wer sich für ihre Werke interessiert, kann sie nun in einer Ausstellung bewundern. Die Künstlerin hat ihre Kunst entwickelt. Vom Konkreten geht sie nun zur Abstraktion über.

BETTENDORF. Drei Bilderzyklen zeigt Sylvia Catharina Hess den Besuchern ihrer Ausstellung in ihrem Bettendorfer Atelier im Kulturhof "Blaues Land". Sie hat sie mit "Wasser und Wolken", "Tomorrow" und "Inside" überschrieben. Außerdem hat sie ein Buch mit dem Titel "Blütenträume" herausgegeben, das einige Reproduktionen ihrer Werke enthält.

Die Landschaften mit Wolken und Meer hat sie im Mai dieses Jahres gemalt, den Zyklus "Tomorrow" schuf sie für eine Ausstellung des Kunstvereins Seoul. Der Zyklus "Inside" beschäftigt sich mit dem Innenleben von Körpern und lebenden Organismen und weist einen hohen Grad an Abstraktion auf. Ihre Bilder malt die Künstlerin Hess in Öl und Acryl. Sie wendet außerdem eine besondere, selbst entwickelte Mischtechnik an.

Wer das Gesamtwerk von Sylvia Catharina Hess kennt, der wird einige Unterschiede bei ihren neuen Kunstwerken bemerken, wenn man sie mit früheren vergleicht. Ihre neuen Bilder sind weniger gegenständlich. Vom Konkreten geht sie nun zur Abstraktion über. Beides ist ästhetisch stimmig, beides reizvoll. Es sind Bilder, bei denen der Betrachter ausruht und sich besinnt - und von deren Schönheit er berührt wird. Es scheint, als zeigten diese Kunstwerke den Prozess des Überganges ihres künstlerischen Schaffens vom Ausprobieren bis hin zur Reife. Wer sich diese Galerie neuer Gemälde anschaut, kann davon bereichert werden.Wer das Gesamtwerk von Sylvia Catharina Hess kennt, der wird einige Unterschiede bei ihren neuen Kunstwerken bemerken, wenn man sie mit früheren vergleicht. Ihre neuen Bilder sind weniger gegenständlich. Vom Konkreten geht sie nun zur Abstraktion über. Beides ist ästhetisch stimmig, beides reizvoll. Es sind Bilder, bei denen der Betrachter ausruht und sich besinnt - und von deren Schönheit er berührt wird. Es scheint, als zeigten diese Kunstwerke den Prozess des Überganges ihres künstlerischen Schaffens vom Ausprobieren bis hin zur Reife. Wer sich diese Galerie neuer Gemälde anschaut, kann davon bereichert werden.

Karl-Heinz Wolter

aus: Rhein-Lahn-Zeitung, vom 17.11.2009


Zu Gast bei Sylvia Catharina Hess

Künstler-Porträt

Die Künstlerin Sylvia Catharina Hess aus dem rheinland-pfälzischen Bettendorf setzt sich in ihren Bildern am häufigsten mit dem Thema „Landschaft“ auseinander. „Landschaft malen bedeutet für mich, dem Land in seine Seele zu dringen, es nicht abbilden, sondern das Typische zum Klingen bringen“, sagt sie. Vor dem Malen stellt sie Beobachtungen an, wie die Natur und die Zivilisation die Strukturen einer Landschaft geprägt haben und lässt sie beim Malen in ihre Bilder mit einfließen. Die von ihr verwendeten Farben haben eine fast symbolische Ausdruckskraft. Braun-, Ocker- und Gelbtöne und ein strenger Bildaufbau schaffen in vielen Bildern eine eindringliche Atmosphäre. Sie bestechen durch eine eigenartige Perspektive. Die Häuser und Gebäude sind eigentlich nur Staffage und verhelfen der Landschaft zu großzügiger Weitläufigkeit. In keinem der Bilder sind Menschen oder Tiere zu sehen. Meistens verwendet die Künstlerin Sand und Pigmente und unterklebt die Leinwand mit Seidenpapier. Sylvia Catharina Hess schuf fast alle ihre Landschaftsbilder im Jahr 2007. Sie sind zwar im so genannten „Toscanastil“ gemalt, entstanden aber überwiegend nach Motiven in der Provence.

Seit 80-er Jahren Mal-Reisen in die Provence

Seit den frühen 1980-er Jahren reist die Malerin – häufig mehrmals im Jahr – in die Provence und den Luberon. Im Auto nimmt sie fast ihre gesamte Reise-Malausrüstung mit sowie dicken Aquarellkarton und lose Leinwände. Zu Hause lässt sie die bemalten Leinwände dann auf Keilrahmen aufziehen. „Ich male dann vor Ort auf Karton und richte mir einen Arbeitsplatz in einem gemieteten Haus ein, um meine Motive noch während des Aufenthalts auf die Leinwand zu bringen“, erklärt sie.

In der Provence entstanden so zum Beispiel die Bilder „Pays des Ocres“ und „Château de Gignac“.

Das Bild „Pays des Ocres“ entstand, zusammen mit „Château de Gignac“ 2007 in der Provence nahe der stillgelegten Ockersteinbrüche „Les Colorados“ von Rustrel und Roussillon. Sylvia Catharina Hess malte das Château mit vielfarbigen Pigmenten dieses Ortes. „Château de Gignac“ zeigt ein Schloss in der Nähe der Steinbrüche.

Das Bild „La Cantilène“ stellt ein sehr altes, typisch provencalisches Anwesen dar – von der Künstlerin stilisiert.

Das Werk „Montagne de Lure“ mit endlosen Lavendelfeldern, einem stillen Gehöft, Hügeln und Bergen gehört für die Malerin zu ihren „Sehnsuchtsbildern“.

Weitere Landschaftsbilder malte Sylvia Catharina Hess nach Besuchen der Kanarischen Inseln, wie zum Beispiel „Timanfaya“: Es zeigt einen Vulkanpark auf der Insel Lanzarote, der die Malerin mit seiner Vielfalt an Farben und Lava-Strukturen stark beeindruckte.„Das Haus am Felsentor“, um das sich Sagen von Hexen ranken, die die Malerin faszinierten, entstand nach einer Reise auf die Kanarische Insel La Gomera.

Auf die Kanaren kam Sylvia Catharina Hess durch ihren Mann, den sie dorthin begleitete, wenn er beruflich dort zu tun hatte. Auf diese Flugreisen nahm sie lose Leinwände mit. Ihre Acryl-Öl-Mischungen durfte sie wegen neuer Sicherheitsbestimmungen für den Flugverkehr nicht mitnehmen und musste vor Ort Lösungsmittel kaufen. Meistens musste sie diese nicht aufgebraucht wegwerfen. Heute malt sie deshalb solche Bilder nur noch zu Hause im Atelier und beschränkt sich vor Ort darauf, Skizzen anzulegen, Fotos zu machen, Pigmente und verschiedene Lavasande zu sammeln, die sie dann später in ihren Bildern verarbeitet.

Landschaften nicht „verkitscht“ abbilden

Sylvia Catharina Hess, 1952 in Freiburg im Breisgau geboren, begann Anfang der 1980er Jahre als Autodidaktin zu malen und bildete sich an verschiedenen Institutionen aus, zuletzt regelmäßig an der Kunstakademie Bad Reichenhall. Nach dem Abitur hatte sie zunächst Germanistik und Politikwissenschaft studiert und war als Lehrerin und Methodentrainerin tätig.

Nach verschiedenen, zeitlich weit auseinander liegenden „Gelegenheits-Ausstellungen“ trat sie seit November 2006 systematisch mit ihren Bildern in die Öffentlichkeit und hatte seither mehrere erfolgreiche Ausstellungen. Seit 2007 ist sie freischaffende Künstlerin. Zwischen ihren Seminaren an der Kunstakademie Bad Reichenhall arbeitet sie fortlaufend an neuen Bilderreihen. 2006 waren es überwiegend Stilleben, 2007 Landschaften. Diese gehören nach wie vor zu ihren Lieblingsmotiven. Seit 2008 öffnete sie sich stärker für die ungegenständliche Malerei.

„Ich habe lange herumexperimentiert, um eine Möglichkeit zu finden, Landschaftseindrücke insbesondere aus der Provence so umzusetzen, dass die Bilder hinterher nicht verkitscht aussehen“, schildert die Künstlerin einen wichtigen Abschnitt ihrer Entwicklung. Ende 2006 stieß sie auf den Künstler Gerhard Almbauer, dessen Technik sie sofort faszinierte. Er wurde ihr Lehrer. Sylvia Catharina Hess entwickelte seine Technik für sich weiter, indem sie beim Malen beispielsweise Airbrushfarben und Pigmente kombiniert – insbesondere mit der Farbe Blau. „Der strenge Bildaufbau und die experimentelle Farbtechnik sind das Ideal für das, was ich in diesen Bildern ausdrücken will“, beschreibt die Malerin ihre Absicht. Im Bild „Islandfjord“ wollte sie die „Stille betonen, die für mich in der Farbe Blau liegt.“ Dazu verwendete sie Asche – auch die Knöchelchen, die nach dem Sieben der Asche im Sieb blieben.

In „Ort der Stille“ experimentierte sie – ohne realen geografischen Bezug – mit Sand und Pigmenten.

Suche nach dem stimmigen Ausdruck

Zu den Bildern „Radieschen-Carpaccio“ und „Tapenade“, die aus einer Serie von „Küchenbildern“ stammen – als klassische Stillleben in Lasurtechnik gemalt – ließ sich die Künstlerin durch ein Essen mit guten Freunden inspirieren. Sie sollen die Freuden kulinarischer Genüsse „transportieren“. Die Künstlerin: „Die Idee war, Rezepte zu verbildlichen, indem ich eine Zutat gemalt habe und sie dann mit Schrift in Fensterfarbe hinterlegt habe. Im Text ist das Rezept versteckt, das dem jeweiligen Bild den Titel gab.“

Neben der klassischen Lasurmalerei experimentiert die Malerin mit Mischtechniken in Acryl, kombiniert mit Öl- und anderen Farben. Meistens malt sie auf Leinwand oder Keilrahmen, aber auch auf hochwertigen Aquarellkarton.

Sylvia Catharina Hess: „Seit ich freischaffende Künstlerin bin, entwickelt sich die Malerei prächtig. Ich arbeite, wann immer ich kann, und habe viele Ausstellungen mit Verkäufen.“ Ihr größter Erfolg bisher war, ihre Werke – zusammen mit dem Bildhauer Ferdinand Merkens – als einzige Vertreter Deutschlands auf der internationalen Kunstausstellung „Galerie Plein Ciel“ der „Fondation Syro d’ Art“ im Sommer 2008 im Elsass ausstellen zu dürfen. Eingeladen waren Künstler und Künstlerinnen aus 19 Ländern. „Das allein, aber auch die Atmosphäre vor Ort und der Austausch mit den Künstlerkollegen waren ein Erlebnis“, sagt die Malerin, die ihre künstlerische Arbeit als „Spurensuche“ bezeichnet: „Ich trage Gesehenes und Erlebtes in meinen Erinnerungen zusammen, filtere es durch mein Gefühl und suche nach dem stimmigen Ausdruck, um es festzuhalten.“ (an)

„Landschaft malen bedeutet für mich, dem Land in seine Seele dringen, es nicht abbilden, sondern das Typische zum Klingen bringen.“

aus: Mein Kreativ Atelier, Heft 26, Februar 2009


Sylvia Catharina Hess in der Ausstellung „Wenn die Sonne Urlaub macht…“

in der Galerie Franz-Ferdinand im Kulturhof Blaues Land Bettendorf

BETTENDORF. Das Laub ist schon gefallen, die Tage im November sind still, morgens steigt der Nebel auf und am Nachmittag setzt früh die graue Dämmerung ein. Es kann nicht immer Sommer sein, haben die Künstler des Kulturhofes und die Betreiber der Galerie Franz-Ferdinand wohl gemeint und sich ein Herbstmotto für eine Ausstellung ausgedacht. „Wenn die Sonne Urlaub macht...“ haben sie vorgegeben. Was den Künstlern Claudia Neeb (künstlerische Keramik), Paul Müller-Brand (Skulpturen in Bronze), Franz-Ferdinand (Leuchtobjekte), Markus Redert (Fotoarbeiten), Sylvia Catharina Hess, Heidemarie Berberich, Petra Dutiné (alle drei Malerei) und Claus Hallstein (Grafik und Objekte) zu diesem Halbsatz eingefallen ist, das kann man sich in der Galerie anschauen. Ihre künstlerischen Antworten auf diese Aufgabe sind bemerkenswert.

Wenn man durch den Garten des Kulturhofes geht, bemerkt man noch eine letzte rote Erdbeere im Hochbeet, reife Tomaten am Strauch, die der Frost noch unbehelligt gelassen hat, und prachtvolle rote Äpfel am Baum. Am Ende dieses Gartens, in dem man sich die Leuchtobjekte von Ferdinand Merkens befinden, stößt man auf das Atelier von Sylvia Catharina Hess. Die Künstlerin malt. Ihre Staffelei steht am Fenster, von dem man einen Blick auf das Tal hinter Bettendorf hat. „Keine spektakuläre Landschaft“, sagt sie, „sie ist geordnet und hat Weite. Das gefällt mir.“ An den Wänden sieht man einige ihrer Arbeiten in warmen, gestuften Farbtönen. Gelb, Orange, Ocker herrschen vor. Weinlandschaften beispielsweise mit Weinbergshäuschen und Weinbergstürmen. Die hat sie für eine Ausstellung mit dem Titel „Sonne, Sand, Sylvaner“ gemalt. Heute reize sie die Farbe Blau. Ihre Maltechnik, bei der sie Mischungen aus Acryl, Öl und Sand benützt, nennt sie „experimentell“. In ihren Bildern, die durchaus in einem bürgerlichen Wohnzimmer hängen könnten, habe das Zufallselement Bedeutung, und das Spielerische liege ihr. Sie koche auch gern. Wie aus den trockenen Buchstaben eines Rezepts mit guten Zutaten ein Essen entsteht, dessen Duft durchs Haus strömt, das uns am Tisch vereint und die Kommunikation beflügelt, sei jedes Mal ein kleines Wunder. Das sei auch die Motivation für eine Serie von Bildern mit dem Titel „Kulinarische Landschaften“ gewesen. Zum vorgegebenen Herbstthema ist eine Gebirgslandschaft zu sehen, auf der die letzten Sonnenstrahlen des Tages liegen und aus der Nebel aufsteigt. Mit den heimatlichen Landschaften, sei sie innerlich verbunden, sagt sie, sie habe hier Wurzeln geschlagen. Wenn sie diese Landschaften male, wolle sie das Typische in ihnen zum Klingen bringen. Wenn man sie nach ihrem inneren Wegweiser fragt, nennt sie das Stichwort „Spurensuche“. Mit ihrer Arbeit suche sie nach ihren Lebensspuren. Was sie finde, male sie. Das sei in ihren Bildern zu entdecken.

Karl-Heinz Wolter

aus: Rhein-Lahn-Zeitung, vom 20.11.2008


Aus einem Brei aus Farben entstehen Landschaften

Sylvia Catharina Hess stellt derzeit in der historischen Weinstube aus

KAUB. „Spurensuche“ – unter diesem Titel steht die Ausstellung der Malerin Sylvia Catharina Hess in Kaub. Mittels experimenteller Landschaftsmalerei versucht sie den unverfälschten Charakter der Umgebung, sei es in Südfrankreich, auf Kreta oder am Rhein, festzuhalten. In der historischen Weinstube von Jochen Dohm, die sich zum Kulturzentrum entwickelt hat, sind die Bilder einen Monat lang zu sehen.

Die im Jahr 1952 in Freiburg/Breisgau geborene Künstlerin verarbeitet verschiedene Materialien, wie Sand, Pigmente oder Seidenpapier, in ihren Werken. „Zusammen mit Acryl- und Ölfarben erhalte ich dann einen Farbbrei, der dem Bild eine Grundstruktur geben soll“, erklärt die studierte Germanistin und Politologin.

Mit den ineinander laufenden Farben erschafft sie so idealisierte Landschaften. Motive findet die Malerin in der Region um Bettendorf, wo sie lebt und arbeitet, oder auf ihren Urlaubsreisen, die sie mehr und mehr als Malreisen betrachtet. Mediterrane Idylle spiegelt sich in vielen der Werke wider. Anhand von Fotos und Skizzen lässt die freischaffende Künstlerin die gesammelten Eindrücke in ihren Bildern wieder aufleben. Viele Details ändert sie dabei oder verzichtet ganz auf sie. Einsame Häuser unterstreichen die Weitläufigkeit der Landschaft. Menschen oder Tiere sind nicht zu finden.

Die präsentierten Werke entstanden alle in den vergangenen 18 Monaten. Sie bilden einen Gegensatz zu den vorigen Arbeiten der Malerin, bei denen Kulinarisches im Vordergrund steht. „Seit 2006 stelle ich öffentlich aus“, erzählt das Mitglied des Kulturhofes Blaues Land in Bettendorf.

Im Rahmen der Vernissage stellte der Bildhauer Paul Müller-Brand die Arbeit der Künstlerin vor, indem er ihr Vorgehen speziell an zwei Bildern verdeutlichte. Auch gab er einen kurzen Überblick über ihren Lebenslauf. Für die musikalische Unterhaltung sorgte Uwe Wagner. Der Schlagzeuger spielte erstmals öffentlich auf dem Hang, einem im Jahre 2000 in Bern entwickelten Instrument. Es besteht aus zwei blechernen Halbschalen. Auf der Oberseite befinden sich mehrere Tonfelder, die nach Berühren mit Händen oder Fingern Klänge von sich geben. Die ruhige Musik lud die kunstinteressierten Besucher der Weinstube ein, die Werke von Sylvia Catharina Hess auf sich wirken zu lassen. (ig)

aus: Rhein-Lahn-Zeitung, vom 12.08.2008


Paul Müller-Brand

Auszug aus der Einführungsrede zur Ausstellung „Spurensuche“

[...] Sylvia Catharina Hess zeigt uns hier heute eine weitere interessante Entwicklung ihres Schaffens. Sie beschränkt sich nun nicht mehr auf die Darstellung der sichtbaren Welt und des realen Gegenstandes.

Dass vor dem Begreifen das Befassen steht.

Man muss die Bilder mit den Sinnen erfassen, mit den Augen, mit dem Gefühl. Klar am Beispiel des Ikarus: ein wildes, ungestümes Fliegen, während Daedalus ruhig an der Küste entlang gleitet und das letzte Licht des Tages aufnimmt. Hier gelingt der Künstlerin eine geniale Verschmelzung des Themas mit ihren Farbvarianten.

Sylvia Catharina Hess zeigt auch Spuren, die nicht vordergründig erkennbar sind. Mit den Augen, mit dem Gefühl, mit der Liebe zum Leben malt sie. Ihre Kunst möge nicht verkommen, nicht trocken, akademisch und routiniert werden, denn davon ist sie, Gott sei Dank, weit entfernt.

9. August 2008


Bettendorfer vertreten Deutschland

Die Künstler Sylvia Catharina Hess und Ferdinand Merkens sind bei Weltausstellung mit dabei

Bettendorf / Colmar. Die Bettendorfer Künstler Sylvia Catharina Hess und Ferdinand Merkens vertreten Deutschland auf der Weltkunstausstellung im Elsass. Zum fünften Mal findet in Lautenbach-Zell, in der Nähe von Colmar gelegen, eine beachtenswerte Ausstellung statt: Künstler aus 19 Ländern stellen Gemälde und Plastiken aus.

Die Fondation SyRo d’Arts lädt regelmäßig Kunstschaffende aus aller Welt dazu ein, ihre Werke zweieinhalb Monate lang der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dieses Jahr kommen sie aus Belgien, Brasilien, China, Kolumbien, Korea, Spanien, Holland, Italien, Japan, Neuseeland, Polen, Tschechien, Rumänien, Singapur, dem Senegal, der Schweiz, den USA, Frankreich und aus Deutschland. Der Bildhauer Ferdinand Merkens und die Malerin Sylvia Catharina Hess vom Kulturhof Blaues Land in Bettendorf wurden als einzige deutsche Künstler eingeladen.

Man muss die Bilder mit den Sinnen erfassen, mit den Augen, mit dem Gefühl. Klar am Beispiel des Ikarus: ein wildes, ungestümes Fliegen, während Daedalus ruhig an der Küste entlang gleitet und das letzte Licht des Tages aufnimmt. Hier gelingt der Künstlerin eine geniale Verschmelzung des Themas mit ihren Farbvarianten.

Die Ausstellung wird begleitet von einer Bauminstallation im benachbarten Städtchen Guebwiller. Eine kleine Allee kunstvoll geschaffener Baumskulpturen und einige Einzelexemplare an markanten Stellen schmücken die Stadt. Ferdinand Merkens hat für diese Aktion eine „singende Palme“ geschaffen. Bei einem Rundgang zu den Exponaten würdigte der Bürgermeister von Guebwiller die Arbeiten der Künstler. Auf dem Ausstellungsgelände der Fondation SyRo d’Art in Lautenbach-Zell zeigt Merkens eine Reihe seiner experimentellen Plastiken, darunter einen „Windfisch“, der das Grundstück von weither kennzeichnet. Sylvia Catharina Hess stellt Landschaften und Blumenstilleben in experimenteller Acrylmalerei aus.

aus: Rhein-Lahn-Zeitung, vom 26.06.2008


Künstler legten Aprileier mit Kreativität und Humor

Pünktlich lachte die Sonne vom Himmel, als der Bettendorfer Kulturhof Blaues Land am 1. April in die Saison startete. Bereits am Vormittag strömten zahlreiche Gäste durch die Galerie Franz-Ferdinand und den Skulpturengarten, um die angekündigten „Aprileier“ zu bestaunen. Die lustigen „Eierköpfe“ der Keramikerin Claudia Neeb, die in Hof und Garten auf Stäben steckten, wiesen ihnen den Weg. In der Galerie fanden sich neben Vasen und Öllampen in Eiform auch zweiteilige Schalen für Eier und Salz aus der Hand der perfekt arbeitenden Künstlerin, die mit Galerist und Künstler Ferdinand Merkens das liebevoll restaurierte Fachwerkhaus im Dorfkern bewohnt. Merkens überraschte die Gäste mit einem riesigen aufklappbaren Metallei, das als Sessel benutzt werden kann. Sein fliegender „Aprilfisch“ mit einem Maul voller Ostereier drehte sich über der Schar versammelter Gäste im Garten, die der launigen Eröffnungsansprache von Prof. Harald Braem lauschte. Zum Vergnügen der Anwesenden stellte Braem einen 12 cm „großen“ Mast mit gehisster Kulturhofflagge auf, da der bestellte 12-m-Mast nicht rechtzeitig geliefert worden war. Auch als Künstler beteiligte sich Harald Braem an der Ausstellung, indem er „Literarische Überraschungseier“ und die Geschichte vom „Goldenen Ei“ anbot und sein Objekt „Das Ei des Kolumbus“ präsentierte.

Die Malerin Sylvia Catharina Hess, vierte Aktive im Quartett des Kulturhofs, zeigte Acrylbilder und Collagen mit gesellschaftskritischen Bezügen. April, April: In einer Gruppe Hühner versteckt ein „Terrorhuhn“ Eierhandgranaten, im „Biopark“ drängen sich Hunderte Hühner zwecks Produktion von „Bio“-eiern auf engem Raum, und die Atomlobby legt der Bevölkerung ein Kernkraft-„Aprilei“ als Rezept gegen die Klimakatastrophe.

Man muss die Bilder mit den Sinnen erfassen, mit den Augen, mit dem Gefühl. Klar am Beispiel des Ikarus: ein wildes, ungestümes Fliegen, während Daedalus ruhig an der Küste entlang gleitet und das letzte Licht des Tages aufnimmt. Hier gelingt der Künstlerin eine geniale Verschmelzung des Themas mit ihren Farbvarianten.

[...]

aus: Blaues Ländchen aktuell, 12.04.2007


Bilder von Lebensmitteln liefern Rezept gleich dazu

Bettendorf: Eine Ausstellung zweier Frauen zeigt Gebrauchskeramiken und Gemälde unter dem Motto „Kunst trifft Küche“

Bettendorf. Zwei Künstlerinnen, die Keramikerin Claudia Neeb und die Malerin Sylvia Catharina Hess, eröffneten mit ihrer Vernissage in der Galerie Ferdinand im Kulturhof „Blaues Land“ in Bettendorf eine Ausstellung, die in ihrer Kombination von hochwertiger Gebrauchskeramik und dekorativ in Acrylmalerei ausgearbeiteten Rezepten ihres Gleichen sucht. [...]

Die Bilder von Sylvia Catharina Hess zeigen Lebensmittel in Acryltechnik. Sie sind unterlegt mit handschriftlichen Rezepten. Tomate, Zwiebel, Zitrone, Oliven, Früchte, Avocado, ein Hecht, ein Hummer – und immer ein entsprechendes Rezept dabei. „Rotbarsch auf Grenobler Art“, da muss der Koch schon genau lesen, wenn er das Gericht zubereiten will. Wie wird die Füllung zum Hokkaidokürbis zubereitet? Der rote Kürbis überdeckt Teile der Schrift, denn die Bilder sind kein Kochbuch, sondern für sich alleine ein echter Augenschmaus, ein Blickfang in der Küche. „Kunst trifft Küche“ im wahren Wortsinn.[...]

Man muss die Bilder mit den Sinnen erfassen, mit den Augen, mit dem Gefühl. Klar am Beispiel des Ikarus: ein wildes, ungestümes Fliegen, während Daedalus ruhig an der Küste entlang gleitet und das letzte Licht des Tages aufnimmt. Hier gelingt der Künstlerin eine geniale Verschmelzung des Themas mit ihren Farbvarianten.

aus: Rhein-Lahn-Zeitung, vom 05.12.2006